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Muss sich die Personalpolitik grundlegend ändern?

Veröffentlicht am 15.09.2022 von Marcel Penn, Marketing- und Verkaufsleiter Classifieds - Bildquelle: Getty Images
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Allerorten ist von Fachkräftemangel die Rede, der durch qualifizierte Arbeitskräfte von Aussen beseitigt werden soll. Während es früher üblich war, die benötigten Fachkräfte im Unternehmen auszubilden, haben die meisten Firmen aus Kostengründen davon Abstand genommen. Auffällig ist auch, dass es Unternehmen gibt, denen es problemlos gelingt, die besten Arbeitskräfte um sich zu scharen. Was machen diese Firmen in der Personalpolitik anders und offensichtlich besser?
Personalpolitik - eine Kerndisziplin in Unternehmen

Personalpolitik ist in vielen Unternehmen zu einem Schattendasein verkommen. Ideen- und phantasielos werden Arbeitskräfte rekrutiert - mit ewig gestrigen Recruiting-Methoden und wenig ambitioniert. HR kann sich aus diesem Dilemma nur befreien, wenn ein Umdenken stattfindet und Personalpolitik wieder zu dem wird, was sie eigentlich ist, nämlich das Herzstück erfolgreicher Unternehmen. Wie eine Modernisierung aussehen könnte, das erfahren Sie in den nachfolgenden Trends und Tipps.

1. Jörg Knoblauch und Benjamin Kuttler haben weltweit die Erfolgsfaktoren mehrerer tausend
Unternehmen recherchiert und das Ergebnis in ihrem Buch "Das Geheimnis der Champions"
zusammengefasst. Herausgefunden haben sie unter anderem, dass in erfolgreichen Unternehmen
mindestens 80 Prozent der Mitarbeiter A-Mitarbeiter sind. Das sind qualifizierte Mitarbeiter, die
nicht nur über Verstand verfügen, sondern auch über Mut, Herz und Tatkraft. Sie sind es, die für
ihre Vorgesetzten die Tore schiessen.

2. Personalpolitik hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten darauf beschränkt,
Bewerbungen zu lesen, Bewerbungsgespräche zu führen sowie Arbeitsverträge auszufertigen und zu
unterzeichnen. Das klingt nach einer wenig aufregenden Verwaltungstätigkeit als nach engagierten,
lebendigen und kreativen Recruiting-Methoden. Wie es anders gehen kann, zeigt zum Beispiel Google,
wo Bewerber nicht nur Gespräche mit Personalern, sondern mit dem gesamten Team, dem Chef und
unterschiedlichen Vorgesetzten führen. Auf diese Weise wird vor der Einstellung sichergestellt, ob
die Chemie stimmt und der Bewerber in das Team passt.

3. Aktuell erleben wir durch die fortschreitende Digitalisierung die vierte Welle der
Industrialisierung, in der flexibles Denken und Handeln gefragt sind. Angesichts dieses schnellen
Wandels funktioniert die sture Wiederholung von immer gleichen Bewerberanforderungen und
Bewerbungsprozessen nicht mehr. Neue Herausforderungen verlangen nach neuen Lösungen.
Erfolgreiche Unternehmen sichten Lebensläufe immer häufiger in Bezug auf die Fähigkeit eines Bewerbers, sich in unterschiedlichen Kontexten erfolgreich einzubringen. Dadurch wird das traditionell hierarchische Denken auf den Kopf gestellt. Doch erfolgreiche Unternehmen wissen Mitarbeiter zu schätzen, die beruflich Unterschiedliches geleistet haben.

4. Fach- und Führungskräfte jenseits der 50 werden aufs Abstellgleis verbannt. Diese
ungeschriebene Altersgrenze unterfällt zwar der Altersdiskriminierung, wird jedoch offen
praktiziert. Diese Ausgrenzung von fachlich qualifiziertem und erfahrenem Personal ist ein fataler
Fehler. Erfolgreiche Unternehmen haben das längst begriffen und nutzen die Lernfähigkeit, die
Kreativität, das Wissen, die Souveränität und die Loyalität dieser Arbeitskräfte. Denn diese
Fähigkeiten sind mit dem 50. Geburtstag nicht einfach ausgelöscht worden. Das gilt auch vor dem
Hintergrund, dass die Generation der Babyboomer eine höhere Lebenserwartung hat und geistig sowie
körperlich bisweilen die Vitalität von 40jährigen aufweist

Was sich grundlegend in der modernen Personalpolitik ändern muss, ist die mangelnde Wertschätzung.
Sie hat sich über Jahre und Jahrzehnte dadurch manifestiert, dass einem Stellenangebot eine
Vielzahl von Bewerbern gegenüberstand. Geringere Löhne und Gehälter sowie die Behandlung als Humankapital waren die Folge. Arbeitnehmer sind die tragende Säule eines Unternehmens und haben eine entsprechende Wertschätzung durch eine angemessene Bezahlung und zahlreiche Benefits
verdient.