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Schweiz: In welchen Branchen gibt es besonders viele offene Stellen?

Veröffentlicht am 21.07.2022 von Marcel Penn, Marketing- und Verkaufsleiter Classifieds - Bildquelle: Getty Images
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In der Schweiz gibt es aktuell so viele offene Stellen wie noch nie. Nach Angaben des Bundesamtes
für Statistik (BfS) gab es davon Ende Mai 2022 rund 114´000. Die Corona-Krise scheint überwunden,
und die Wirtschaft beginnt zu florieren. Was fehlt sind Arbeitskräfte, wovon insbesondere 5 Branchen betroffen sind. Welche das sind, und welche Massnahmen gegen den Fachkräftemangel ergriffen werden - das und mehr erfahren Sie hier.
5 Branchen leiden besonders unter Arbeitskräftemangel

Es sind vor allem 5 Branchen, die unter dem Personalmangel leiden.
  1. An erster Stelle stehen Gastronomie und Beherbergungsbetriebe mit insgesamt 10´600 offenen Stellen Anfang 2022, was 4,3 Prozent entspricht. Die Gründe für den Arbeitskräftemangel in dieser Branche sind grösstenteils hausgemacht. Lange Schichten, ständige Bereitschaft und schlechte Bezahlung gehören dazu. Aber auch die wegen Corona verordneten Zwangsmassnahmen haben dazu geführt, dass eine grosse Zahl an Arbeitskräften das Weite gesucht und in anderen Jobs untergekommen ist. Viele konnten sich eine Reduzierung des Lohns oder gar Lohnausfall finanziell nicht leisten.
     
  2. Auf dem zweiten Platz rangiert die IT-Branche. Hier waren im ersten Quartal 2022 rund 5´700 Stellen ausgeschrieben, was 4,3 Prozent entspricht. Die IT-Branche gehört zu den Branchen, die schon länger mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen haben. Aufgrund des fehlenden weiblichen Fachpersonals handelt es sich um eine ausgesprochene Männerdomäne.
     
  3. Platz drei belegt der Maschinenbau. In dieser Branche waren im ersten Quartal 2022 rund 3´000 Stellen ausgeschrieben, was einem Anteil von 3,6 Prozent entspricht. Hier fehlen vor allem Ingenieure, woran die Unternehmen nicht ganz unschuldig sind. Oftmals werden sehr spezielle Kenntnisse verlangt, die nur selten erfüllt werden können. Anstatt Ingenieure einzuarbeiten und mit den entsprechenden Maschinen vertraut zu machen, werden sie abgelehnt. Nicht nur im Maschinenbau werden deshalb bildungspolitische und wirtschaftliche Massnahmen gefordert, um den Arbeitskräftemangel auszugleichen.

Auch im verarbeitenden Gewerbe sind aktuell 19´300 Stellen nicht besetzt. Gleiches gilt für das
Gesundheits- und Sozialwesen mit 15´900 Stellen im ersten Quartal 2022.
Diese Massnahmen sollen dem Arbeitskräftemangel entgegenwirken

Gastronomie und Hotellerie haben wohl verstanden, dass sie an ihrem Image arbeiten müssen. Anfang
Juni 2022 hat der Präsident des Schweizer Hotelverbands Casimir Platzer einen Fünf-Punkte-Plan zu
diesem Thema präsentiert. Titel der Image-Kampagne lautet "Wir arbeiten mit Leidenschaft im Gastgewerbe". Zeitgemässe Lohn- und Arbeitsmodelle sowie verbesserte Anstellungsbedingungen
sollen die Branche attraktiver machen.

Dazu gehören auch Schulungen für Führungskräfte zu den Themen "Führung" und "Wertschätzung". Auf diese Weise soll die Gastro-Branche auch für Quereinsteiger interessanter werden, die bessere Möglichkeiten bekommen, sich nachzuqualifizieren.

In der IT-Branche geht es vor allem darum, den Beruf der Informatikerin für Frauen attraktiv zu
machen. Dafür wurde bereits 2020 vom Branchen Dachverband ICTswitzerland ein Positionspapier mit
sechs Forderungen formuliert, dessen Inhalt unter anderem verbesserte Rahmenbedingungen für
Frauen in der IT-Branche sind.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es wenig wahrscheinlich ist, dass sich die Lage von selbst
entspannt. Das gilt insbesondere für den Maschinenbau und die IT-Branche. Insoweit bezeichnen viele
Branchen den Arbeitskräftemangel als grösste Herausforderung der Zukunft, die nur gesamtgesellschaftlich gelöst werden kann.