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Fehlende Arbeitskräfte im Kanton Solothurn

Veröffentlicht am 14.09.2023 von Marcel Penn, Marketing- und Verkaufsleiter Classifieds - Bildquelle: Getty Images
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Wird die Wirtschaft im Kanton Solothurn bald durch fehlende Arbeitskräfte ausgebremst? Die Zahlen sind ja eigentlich positiv auf den ersten Blick. Kanton Solothurn ist nahe dran am Ideal einer Vollbeschäftigung, mit gerade einmal 2 % gemeldeten Arbeitslosen. Vor 22 Jahren war die Rate zuletzt derart tief. Man sollte sich freuen. Aber gleichzeitig kündigt sich eine immer schwierigere Suche nach neuen Arbeitskräften an.
An sich ist Solothurn ein Muster der Krisenbewältigung

Eine derart geringe Arbeitslosenquote ist ein Anzeichen, dass der Arbeitsmarkt im Kanton annähernd leergefischt ist. Wer Personal benötigt, hat zunehmend Schwierigkeiten, diese Stellen zu besetzen. Hinzu tritt die Frage der passenden Qualifikation noch erschwerend hinzu, weil sie die Zahl passender Kandidaten noch weiter ausdünnt.

Sowohl Pandemie als auch Energiekrise haben keinen erkennbaren negativen Einfluss auf die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt gezeitigt. Auch das ist eine gute Nachricht. Es hätte auch anders ausgehen und damit Probleme für die Gesellschaft, über die Handhabung der Impfungen und des Suchens nach alternativen Energielieferanten hinaus, schaffen können.

Die Demografie gibt Grund zur Sorge

Die Wirtschaft in Solothurn ist also ausgesprochen widerstandsfähig. Wird sie auch mit einem sich
ausweitenden Mangel an Fachkräften, oder Arbeitskräften überhaupt, die Niedrigqualifizierten
einschliessend, in einigen Jahren florieren? Die Entwicklung der Alterspyramide macht das fraglich. Zurzeit zählt man im Kanton fast 82.000 Einwohner in der Altersgruppe zwischen 45 und 65. Diese werden also in den nächsten Jahren nach und nach in Rente gehen und damit als Arbeitskräfte wegfallen.

Diesen steht eine Zahl von jungen Solothurnern bis 19 Jahren gegenüber, die lediglich 55.000 Personen ausmacht. Dies gibt zu bedenken. Es ist ein sich abzeichnendes Bild zunehmender Überalterung der Gesellschaft. In den kommenden zwei Jahrzehnten treten somit rechnerisch 27.000 Personen weniger in das Arbeitsleben (oder das Alter dafür), als sich im gleichen Zeitraum daraus verabschieden.

Wird man sich um die Stellenbewerber der Zukunft reissen?

Das muss natürlich Folgen haben, nämlich eine zunehmende Konkurrenz der Unternehmen um die verfügbaren potenziellen Beschäftigten. Für die Bewerber sind das rosige Zeiten, da sie sich zunehmend die besten Stellungen aussuchen können und auch höhere Forderungen an Gehalt stellen können. Kritisch wird es allerdings, wenn die Nachteile derart massiv werden, dass Unternehmen abwandern oder schliessen, weil sie im Kanton Solothurn nicht mehr die Bedingungen finden, um zu operieren.

Was kann geschehen gegen diesen Trend? Da wird an verstärkte Zuwanderung aus anderen Regionen und dem Ausland gedacht. Die Erwerbsquote innerhalb einer Generation könnte erhöht werden, wozu die gesellschaftlichen Bedingungen nach einer Verbesserung beitragen können. Das könnte geschehen, indem es leichter wird, eine Familie und eine Arbeitsstelle unter einen Hut zu bringen, womöglich für beide Partner.

Hoffnungen auf eine Ausgleichung durch den technischen Fortschritt bestehen

Die weiter vorangetriebene Automatisierung und Digitalisierung von Arbeitsprozessen vermag wohl auch eine geringere Zahl verfügbarer Arbeitskräfte im Kanton zu kompensieren. Die Technik würde also verstärkt an die Stelle von menschlichen Arbeitnehmern treten, bei gleichbleibendem Output. Im Grund lief es während der gesamten Geschichte der Industrialisierung und ihrer späteren technischen Entwicklungen so ab, warum also auch nicht diesmal?

Fachleute bezeichnen die üblich zu beobachtende Arbeitslosenquote im Kanton Solothurn als "überzyklisch". Das bedeutet, wegen der hohen Präsenz der Industrie hier, dass in Krisenzeiten die kantonale Arbeitslosigkeit höher als im Bundesdurchschnitt liegt, während sie in Perioden des Aufschwungs unter diesem liegt.